Judoregeln leicht gemacht

Möglicherweise sind Sie zum ersten Mal Zuschauer einer Judo-Veranstaltung und finden alles, was da auf den rot-grünen Matten passiert, recht verwirrend. Damit Sie mehr vom Zuschauen haben, wollen wir Sie in die Geheimnisse der Kampfregeln einweihen:

 

Der Mensch mit dem schwarzen Blazer auf der 8x8 Meter großen Kampffläche ist der Hauptkampfrichter, die beiden auf den Stühlen an der Seite unterstützen ihn bei seinen Entscheidungen, wie die Linienrichter beim Fußball.

Die beiden Kämpfer haben sich  zusätzlich zu ihrem Judogürtel

none

noch einen roten bzw. weißen Gürtel, der zur Unterscheidung der beiden Kämpfer dient, umgebunden. Der erstgenannte Kämpfer trägt immer den roten.

Wenn der Kampfrichter Hajime (japanisch = beginnen) ruft geht der Kampf los:

Beide Kämpfer versuchen den richtigen Griff zu finden. Beim Judo geht es ja bekanntlich darum , den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn mit einer Technik der sanften Kunst möglichst entscheidend zu Fall zu bringen und gegebenenfalls am Boden festzuhalten (25 sec). Wenn man einen Gegner festhält, ruft der Kampfrichter Osae-Komi und hält seine Hand über die Kämfer. Die Zeit wird ab jetzt gestoppt. Kann sich der Gegner befreien bewegt der Kampfrichter seine Hand hin und her und ruft dabei: Toketa. Genausogut kann man den Gegner auch mittels einer Armhebel- (ab u14) oder Würgetechnik (ab u17) zur Aufgabe zu zwingen. Gelingt dies reißt der Kampfrichter den Arm hoch und ruft: Ippon (=ein Punkt) was im Judo den Sieg bedeutet. Direkt  danach kommt der Ruf: Soro made (=das war's). Dann ist der Kampf beendet.

 

Gelingt solch eine Technik nicht mit letzter Perfektion, aber doch ganz ordentlich, gibt der Kampfrichter Waza-ari (1/2 Punkt) Er streckt dabei seinen Arm im 90° Winkel zur Seite. Im Boden ein Haltegriff über 20-24 Sec.  und im Stand z.B. ein Wurf auf die Seite. Würde der Kämpfer noch einen weiteren Waza-ari bekommen würden die 2 halben Punkte zusammenaddiert werden. Das bedeutet: Der Kampfrichter reißt auch dann den Arm nach oben und ruft: Waza-ari awasete Ippon, soro made.

Weil der Gegner jedoch auch Judo kann und sich mehr oder weniger geschickt verteidigt, gelingt nicht alles so vortrefflich. So landet der "Geworfene" machmal nur auf dem Bauch, auf den Knien oder auf dem Allerwertesten. Dafür gibt es dann gar keine oder eine mittlere Wertung (Yuko). Dabei streckt der Kampfrichter den Arm schräg nach unten. (Früher auch kleine Wertung Koka.) Die Wertungen werden auf den Tafeln am Zeitnehmertisch angezeigt. (für Kämpfer rot und weiß). Die effektive Kampfzeit beträgt bei Jugendlichen 4 Minuten, bei Unterbrechungen (der Kampfrichter ruft Matte) wird die Uhr angehalten. Die Zeit läuft erst weiter, wenn der Kampfrichter den Kampf durch den Ruf Hajime wieder frei gibt.

Leider kämfen nicht alle ganz fair. Das ist eine üble Sache, vor allem für den Betroffenen. Ganz schlimme Handlungen, die im Ernstfall sogar dem Gegner das Leben kosten könnten, führen zu einer sofortigen Disqualifikation (Hansokumake). Das kommt aber glücklicherweise nur sehr selten vor. Kleine Vergehen, wie Inaktivität oder Beingreifer werden mit Shido bestraft. Dabei gilt im negativen Sinne:
Ein Shido zählt so viel wie ein Koka (gibt es nicht mehr)

Zwei Shido zählen so viel wie ein Yuko

Drei Shido zählen so viel wie ein Waza-ari und

Vier Shido zählen so viel wie ein Ippon und führt zur Disqualifikation (Hansokumake).

Die Bestrafungen werden am Ende des Kampfes dem Gegner entsprechend gutgerechnet.

 

Hier noch einmal eine kurze Aufführung der Wertungen: http://www.judo-aerzen.de/Wertungen.htm

 

Einer gewinnt immer (Mannschaftskämpfe ausgeschlossen)! Wenn also nach Ablauf der Zeit ein Unentschieden ist, geht es noch einmal 2 Minuten in die Verlängerung. Fällt auch dann keine Wertung, entscheiden die Kampfrichter (Hantei = Kampfrichterentscheid) durch Hochheben einer roten bzw. weißen Kelle. Sie vergeben so den Sieg an den ihrer Meinung nach besseren/aktiveren Kämfer.

Dabei beachten Sie bitte, dass auch Leute mit schwarzen Blazern Menschen sind und sich diese auch irren können. Eine Fehlentscheidung kann zwar zu einem Kopfschütteln führen aber nicht zu einer Bestrafung.

 

Die Kämpfe finden in einem Doppel-KO-System statt. So hat jeder mindestens 2 Kämpfe.

 

Bei Wettkämpfen werden die Teilnehmer zuerst in Alters- und danach in Gewichtsklassen unterteilt. Die Gürtelgratuierung spielt dabei keine Rolle.

Viel Spaß beim Zuschauen.

Wer genaueres wissen will, kann dies auf der Homepage des DJB nachlesen:

http://www.judobund.de/media/ordnungen/DJB-Kampfregeln.pdf